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Die 10 Gebote des Schulrechts

 

Vorbemerkung: Es gibt viele Dinge, an eine Lehrkraft denken muss bzw. denken sollte. Aber einige sind eben wichtiger als andere. Im Folgenden sind die Bereiche aufgelistet, bei denen die Nichtbeachtung besonders schwere Folgen nach sich ziehen kann.

 

1. Nicht die Aufsicht schwänzen!

Fangen wir mit einer Sache an, deren Bedeutung oft unterschätzt wird, die Vernachlässigung der Aufsichtspflicht. Da wir unter uns sind, können wir offen miteinander reden: Peter Sielje weiß, dass er eigentlich Aufsicht hat, aber er hat sich gerade erst einen Kaffee eingeschenkt und sieht ein paar Kollegen, mit denen er gerne plaudert. Also setzt er sich in die gemütliche Runde und wirft auch mal einen verschämten Blick nach draußen, geht aber nicht auf den Pausenhof. Seine Überlegung dabei: „Es wird schon nichts passieren."

Was aber, wenn doch etwas passiert? Na ja, dann sagt er einfach, er sei auf der Toilette gewesen. Das, was sich so clever anhört, hält einer gründlicheren Überprüfung jedoch nicht stand. Und genau zu der wird es kommen, falls doch ein Unfall passiert. Denn nach einem Unfall wird ermittelt, manchmal durch die Versicherung, die zahlen soll, manchmal durch die Eltern des geschädigten Schülers und manchmal durch Polizei oder Staatsanwaltschaft oder ein Gericht. Also werden die Schüler befragt, ob denn der Kollege Sielje sonst immer seine Aufsicht wahrgenommen hat. Und genau hier liegt das Problem. Wer seine Aufsicht schwänzt, wird dies nicht nur einmal tun, sondern regelmäßig die angenehme Kaffeerunde der unangenehmen Pflicht vorziehen. Dies wiederum bedeutet, dass die Schüler Peter Sielje nur sehr selten in seinem Aufsichtsbereich gesehen haben. Und das werden sie bei den Ermittlungen auch wahrheitsgemäß sagen. Tja, und das war's dann. Die Behauptung, er sei während des Unfalls auf der Toilette gewesen, wird nun (zu Recht) als „nicht glaubhaft" eingestuft. Der Gedanke, es werde schon nichts passieren, entspricht strafrechtlich der groben Fahrlässigkeit, so dass der Kollege Sielje zahlen muss und einen entsprechenden Eintrag in die Personalakte erhält. Also: Lieber nicht die Aufsicht schwänzen.

 

2. Besser nicht schwimmen gehen!

Die junge Kollegin Anna Nass möchte mit ihrer 8. Klasse (29 Schüler) einen Tagesausflug in einen Ort machen, in dem sich auch ein Schwimmbad befindet. Sie ist zwar keine Rettungsschwimmerin, aber in der Badeanstalt ist ja schließlich ein Bademeister, so sagt sie sich. Vorsicht! Denn der Bademeister, der sich auch noch um andere Dinge kümmern muss, kann nicht den Rettungsschwimmer für eine Schulklasse ersetzen. Schwimmen ist eine sog. „gefahrgeneigte Tätigkeit", für die sehr strenge Regeln gelten. Mit den Schülern also geschlossen ins Schwimmbad zu gehen, verstößt gegen die hierfür geltenden Sicherheitsbestimmungen. Nicht nur weil die Kollegin Nass keine Rettungsschwimmerin ist, sondern auch weil es nicht zulässig ist, eine so große Zahl von Schülern gleichzeitig ins Wasser zu lassen. Es ist einfach unmöglich, eine so große Zahl von ausgelassenen Kindern bzw. Jugendlichen im Blick zu behalten. Und immer wieder gibt es Fälle, in denen man später einen Schüler vermisst, den man dann leblos vom Grunde des Beckens bergen muss.

Ein möglicher Ausweg besteht darin, dass die Eltern, z.B. bei einer Klassenfahrt, ihren schwimmtüchtigen Kindern erlauben, in der Freizeit in das örtliche Schwimmbad zu gehen. Anna Nass müsste aber die Eltern darüber informieren, dass der Besuch des Schwimmbades ohne Aufsicht durch die Lehrerin erfolgt, die Kinder also selbständig und auf eigene Gefahr in ihrer Freizeit dort hingehen. Und sie sollte die Eltern nicht nur glasklar darüber informieren, sondern sich auch deren Kenntnisnahme bzw. Einwilligung schriftlich geben lassen. Also: Wer nicht den Schwimmbadbesuch als Schulveranstaltung mit allen Beschränkungen durchführen will, sollte besser die Finger davon lassen. Ein bisschen Beaufsichtigung gibt es in diesem Bereich nicht. Es gilt: ganz oder gar nicht. 

3. Tücken des Urheberrechts kennen!

Die Grundlagen des Urheberrechts sollte eigentlich jeder Lehrer kennen, denn ein Verstoß gegen dieses allgemein geltende Recht kann recht teuer werden. Wir gehen also einmal davon aus, dass Sie die wichtigsten Grundsätze kennen. Aber es gibt einige kniffelige Details, über die man stolpern kann. Und das muss ja nicht sein.

Da die Kultusminister der Länder mit den Verlagen und Schulbuchverlagen einen Vertrag geschlossen haben, dürfen Lehrkräfte bestimmte Dinge problemlos kopieren: Ganz grob dürfen Sie kleine Teile (ca. 10- 12 %) eines größeren Werkes kopieren oder Werke geringen Umfang vollständig. Eine Broschüre mit 16 Seiten (geringer Umfang) dürfte also ganz kopiert werden. Aber die Sache hat einen Haken und der betrifft Unterrichtsmaterialien, die besonders geschützt sind. Von denen dürfen zwar kleine Teile kopiert werden, aber keine Werke geringen Umfangs. Um es konkret zu machen: Aus einem Lehrbuch mit 200 Seiten dürften problemlos 20 Seiten im Jahr für eine Klasse kopiert werden. Aber ein Arbeitsheft mit 24 Seiten dürfte trotz des geringen Umfangs nicht vollständig kopiert werden, sondern nur ein kleiner Teil daraus.

Und es geht noch weiter, und zwar noch strenger: Von Unterrichtsmaterialien, die im Internet einzusehen sind, dürfen nicht einmal kleine Teile ausgedruckt und vervielfältigt werden.

Fazit: Vorsicht beim Kopieren von Materialien, die speziell für Unterrichtszwecke hergestellt wurden. Das könnte teuer werden.

4. Remonstrationspflicht beachten!

Der altgediente Kollege Karl Rotte (Chemie) liegt seit längerer Zeit im Clinch mit seinem neuen und wirklich arroganten Schulleiter (Deutsch und Englisch). Immer wieder gibt es kleine oder größere Reibereien, bei denen Rotte allerdings meist den Kürzeren zieht. Umso erfreuter ist er, als sich ihm eine Gelegenheit bietet, seinem Vorgesetzten eins auszuwischen.

Da die Unterrichtsversorgung im Fach Chemie knapp ist, soll die Kollegin Anna Nass fachfremd einspringen. Ihr fehlt allerdings eine Einweisung in die Sicherheitsbestimmungen.

Rotte fragt den Schulleiter, ob Nass tatsächlich unterrichten soll, ohne ihn allerdings auf die fehlende Einweisung hinzuweisen. Und tatsächlich: Einige Tage später passiert im Chemieunterricht tatsächlich ein Malheur und ein Schüler erleidet Verätzungen.

Dies nimmt der Kollege Rotte zum Anlass, sich über seinen Schulleiter zu beschweren, der ihn ja zu diesem Verhalten angewiesen hat. Voll klammheimlicher Freude wartet er auf die Nachricht vom Kultusministerium, die tatsächlich schon bald darauf eintrifft. Sie sieht jedoch etwas anders aus, als Karl Rotte sie sich vorgestellt hat.

Natürlich rügt die Behörde auch das Verhalten des Schulleiters, vor allem aber rügt sie Karl Rotte, weil er gegen die Remonstrationspflicht verstoßen hat. Der Kollege versteht die Welt nicht mehr, schließlich hat er sich, so meint er, nur an die Anweisung seines Vorgesetzten gehalten.

Damit Karl Rotte eine Wiederholung erspart bleibt, sei kurz erklärt, was es mit der sog. Remonstration auf sich hat: Rotte und sein Schulleiter sind beide Beamte. Und als solche sind sie zur vertrauensvollen Zusammenarbeit verpflichtet. Und dazu hätte es gehört, dass Rotte seinen Schulleiter auf die fehlende Einweisung hinweist, anstatt ihn ins Messer laufen zu lassen. Wenn eine Lehrkraft meint, der Schulleiter treffe eine rechtswidrige Entscheidung, dann muss er seine Bedenken vortragen. Das nennen die Juristen Remonstration.

Bleibt der Schulleiter trotz der Information bei seiner Entscheidung, so ist die Lehrkraft aus dem Schneider.

 

5. Verwaltungsakte im Ansatz erkennen!

„Was soll das mit dem Verwaltungsakt?“, fragt sich Peter Sielje, als in einem Schulrechtsbuch immer wieder über diesen geheimnisvollen Begriff stolpert. Zwar findet er auch eine Definition des Begriffs, aber die ist so verklausuliert, dass er gleich weiterblättert. Und damit hat er Recht und Unrecht zugleich. Sicher ist die Definition nicht ganz einfach, aber es ist für eine Lehrkraft, die entspannt leben will, unerlässlich, einen Verwaltungsakt einigermaßen sicher zu erkennen. Bevor es gleich an die Definition geht, müssen wir Peter Silje erst klar machen, was daran so wichtig ist. Ansonsten würde er sich die Definition gar nicht anschauen und gleich wieder weiterblättern.

Der Verwaltungsakt ist die Schwelle, die überschritten sein muss, damit sich ein Verwaltungsgericht überhaupt mit einer Sache befasst. Und für Lehrkräfte ist es beruhigend zu wissen, dass viele Dinge keine Verwaltungsakte sind und folglich nicht mit Widerspruch und Klage angefochten werden können. Am wichtigsten vielleicht: die einzelne Klassenarbeit. Sie ist kein VA und kann nicht gerichtlich angefochten werden. Weitere Entscheidungen, die gerichtlich nicht anfechtbar sind: das Umsetzen von Schülern in der Klasse, das Hinauswerfen eines Schülers, Zusatzaufgaben für Problemschüler usw. Die meisten dieser Maßnahmen scheitern am ersten Merkmal des Verwaltungsaktes, der jetzt vorgestellt wird.

Ein Verwaltungsakt ist jede erhebliche Entscheidung,

die eine Behörde (Schule) zur Regelung eines Einzelfalls erlässt und

die auf Rechtswirkung nach außen (gegen Schüler oder Eltern) gerichtet ist.

Die Nichtversetzung eines Schülers ist natürlich ein VA. Denn es geht um einen einzelnen Schüler, die Schule als Behörde spricht diese Entscheidung aus und sie ist erheblich.

Die Frage der Erheblichkeit bemisst sich danach, ob die Maßnahme rechtlich bedeutsame Konsequenzen hat. Was also ist ein Halbjahreszeugnis mit 4 Fünfen, aus denen eine Warnung resultiert? Richtig! Kein Verwaltungsakt, da keine rechtlichen Auswirkungen.

 

6. Informationspflicht nicht vergessen!

Anna Nass, unsere junge sympathische Kollegin, hat gerade erst ihre 5 Klasse übernommen, als die Mutter von Kevin an sie herantritt und sie bittet, ihr doch zum Ende jeder Woche einen kurzen Zwischenbericht über Kevins Leistungen zu geben. Völlig verunsichert fragt die junge Kollegin, ob sie das denn müsse. Nein, sie muss nicht. Immer wieder haben Gerichte darauf hingewiesen, dass die Eltern grundsätzlich eine Holschuld bezüglich ihres Kindes trifft. Sie müssen also die Informationen abholen und können sich nicht bequem zurücklehnen und erwarten, dass man sie ihnen bringt. So weit der Grundsatz, der den täglichen Kleinkram wie Kevins wöchentlichen Zwischenstand betrifft.

Aber es gibt Ausnahmen, und dann hat die Schule eine Informationspflicht, die sie bringen muss. Informationen müssen gebracht werden wenn es um einschneidende Ereignisse geht. Wenn also Kevin in Englisch bei der Kollegin Nass eine 5 auf dem Zeugnis droht, dann müssen die Eltern hierüber in Kenntnis gesetzt werden. Und zwar so rechtzeitig, dass Kevin das Unheil noch abwenden könnte. Ebenfalls greift die Informationspflicht, falls Kevin in der Schule einen schweren Disziplinverstoß begangen hätte, indem er z.B. mit einem Messer einen anderen Schüler bedroht hat.

In diesem Fall muss zusätzlich nicht nur der Schulleiter informiert werden, sondern in fast allen Bundesländern ist es inzwischen so, dass bei schweren Delikten auch die Strafverfolgungsbehörden (Polizei bzw. StA) informiert werden müssen. Wer hier aus falsch verstandener Solidarität mit Kevin („Das war doch nur Spaß!“) nicht informiert, begeht ein Dienstsvergehen. Also denken Sie daran: „Melden macht frei!“. In dem Moment, wo Sie Eltern bzw. Schulleiter informieren, sind Sie die alleinige Verantwortung los. Ob die Weitergabe der Information das Problem löst, braucht Sie nicht zu kümmern. Sie haben Ihre Pflicht getan, alles Weitere liegt jetzt bei den anderen.

 

7. Kein selbstgemachtes Tiramisu mitbringen!

Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen und um die letzten Tage einigermaßen sinnvoll zu füllen, wird ein Schulfest veranstaltet. Der Erlös soll einem guten Zweck zugute kommen, aber das ist für das Folgende eigentlich völlig unerheblich. Entscheidend ist hingegen, dass niemand sich beim Gesundheitsamt über die Hygienevorschriften bei Straßenfesten informiert. Die Klasse 6 f von Anna nass möchte italienische Küche anbieten und verkaufen. Pizza und Pasta mag ja nun wirklich jeder. Unglücklicherweise hat die Kollegin Nass einmal erwähnt, dass sie Spezialistin für Tiramisu ist. Natürlich drängen die Schüler, dass sie diese leckere Nachspeise anfertigt und zum Schulfest mitbringt. Gesagt, getan. Nach allem Regeln der Kunst fertigt die Kollegin ein Tiramisu mit rohen Eiern an. Leider ist es am Tag des Schulfestes unerwartet heiß und die Klasse hat mit ihrem Stand nur noch einen Platz in der Sonne bekommen. Der Absatz des Tiramisu verläuft eher schleppend, was jedoch niemand beachtet, weil Pizza und Pasta weggehen wie warme Semmeln. Einige Portionen werden verkauft, aber es bleibt noch eine ganze Menge übrig. Der Klassensprecher fragt Frau Nass kurz vor dem Schluss der Veranstaltung, ob die Schüler die Reste aufessen dürfen – und die Kollegin sagt Ja. Es kommt, wie Sie schon ahnen: Etliche Schüler der Klasse haben eine mittelschwere Salmonellenvergiftung und die Eltern machen Anna Nass bittere Vorwürfe und beschweren sich über sie. Was muss man also wissen? Derjenige, der Lebensmittel für ein Schulfest mitbringt, trägt die Verantwortung bis zu dem Zeitpunkt, wo das Lebensmittel in der Schule ist. Danach geht die Verantwortung auf die Schule über, die für die sachgerechte Verwahrung zu sorgen hat. Im Fall der Kollegin Nass spielt diese Unterscheidung keine Rolle, dass sie nicht nur Lieferant, sondern als Lehrerin zugleich auch „Schule“ ist. Sie ist also sowohl für die Herstellung als auch für die Aufbewahrung zuständig. Die Schulversicherung wird für den verursachten Schaden sicher nicht zahlen. allenfalls ihre Berufshaftpflichtversicherung, falls sie eine hat. Aber sicher ist auch das nicht, denn die Anfertigung von Tiramisu ist keine dienstliche Tätigkeit. Viel gravierender als das Geld ist jedoch die Tatsache, dass die Kollegin Nass ihre in fahrlässiger Weise ihre Sorgfaltspflicht verletzt und damit ein Dienstvergehen begangen hat. Als Führungskraft ist sie damit für die nächste Zeit sicherlich ungeeignet. Also: Hände weg von „gefährlichen“ Lebensmitteln bei Schulfesten. Bringen Sie Knäckebrot oder Kekse mit, da kann nichts passieren. Und als Klassenlehrer sollten Sie auch ihre Schüler bzw. deren Eltern über die vorhandenen –oder nicht vorhandenen – Kühlmöglichkeiten informieren. Und wer wahre Führungsqualität demonstrieren möchte, besorgt sich die Hygieneverordnung für Straßenfeste.

 

 

8. Nicht das Klassenbuch unterschätzen!

Eigentlich handelt es sich bei Anna Nass um eine pflichtbewusste Kollegin. Und als solche führt sie zum Schuljahresbeginn pflichtgemäß eine Belehrung über die Schulordnung durch. Dabei geht es auch um das Verbot, gefährliche Gegenstände mit zur Schule zu bringen. Allerdings trägt sie diese Belehrung nicht ins Klassenbuch ein, zum einen weil sie auch noch andere Dinge in dieser Stunde macht, zum anderen weil sie den Schülern das Merkblatt mit der Schulordnung/ Belehrung ja ausgehändigt hat. Einige Zeit später passiert Folgendes: Kevin bringt ein Messer zur Schule mit und verletzt damit im Streit einen anderen Schüler. Die Verletzung ist nicht schwerwiegend, aber die Wogen schlagen hoch, weil ein Messer in der Schule auftaucht. Kevin sagt, zu diesem Vorfall befragt, er könne sich an keine Belehrung erinnern. Und auch das Gedächtnis der anderen Schüler ist (ohne böse Hintergedanken) schlecht. Etliche andere können sich ebenfalls nicht mehr erinnern, einige glauben, die Kollegin Nass habe etwas erzählt, wissen aber nicht mehr genau was.

Und damit hat die Kollegin ein ernstes Problem. Zwar wissen wir, dass sie die Belehrung durchgeführt hat hat, aber die vorgesetzte Dienstbehörde (und etwaiges Gericht) wissen es nicht. Für sie zählt nur das, was im Klassenbuch steht. Das was dort eingetragen ist, hat stattgefunden – und nicht nur das: Es ist eingetragen worden, weil es ein wichtiger Inhalt war. Selbst wenn man also der Kollegin glauben sollte, wird man sie kritisch fragen, warum sie es dann nicht eingetragen habe? War es ihr vielleicht nicht wichtig genug? Hat sie es vielleicht nur sehr schnell und sehr oberflächlich abgehakt? Genau diesen Schluss wird man aus ihrem Verhalten ziehen.

Das Fazit ist ganz einfach: Machen Sie durch den Eintrag im Klassenbuch nicht nur deutlich, dass Sie bestimmte Informationen weitergegeben haben, sondern machen Sie auch deutlich, dass diese Informationen Ihnen so wichtig waren, dass sie es wert waren, im Klassenbuch verewigt zu werden. Das gilt auch für Belehrungen über das Verhalten im Straßenverkehr, bevor Sie eine Radtour machen, oder das Fehlen von Schülern. Also: das Klassenbuch ist eine zentrale Urkunde, die das Wichtige des Schulbetriebs festhält. Das sollten Sie zu Ihrer Absicherung nutzen.

 

 

9. Nicht die Nichtwirkung unterstellen

Peter Sielje ist ein intelligenter Kollege. Deshalb macht er sich auch dort Gedanken, wo es nicht angebracht ist. Das zeigt sich, als Kevin, sein Problemschüler, über die Stränge schlägt und gegen die Schulordnung verstößt. Sielje denkt zunächst an eine milde Erziehungsmaßnahme als ersten Schritt, aber dann kommt er ins Grübeln. Er überlegt sich, dass diese Maßnahme vermutlich keine Wirkung entfalten wird. Also entschließt er sich, darauf zu verzichten und belässt es bei einer lauwarmen Ermahnung.

Gesagt, getan. Allerdings lässt Kevins nächster Verstoß (bei einem Kollegen) nicht lange auf sich warten. Da sich der Verstoß herumspricht, regen einige Kollegen eine informelle Besprechung in der großen Pause an, auf der über eine strengere Erziehungsmaßnahme verhandelt werden soll. Man trifft sich und diskutiert hin und her. Zwar hat man ein oder zwei Maßnahmen ins Auge gefasst, aber Peter Sielje kann, da er Kevin gut kennt, die anderen überzeugen, keine Maßnahme zu verhängen. Denn, so legt er dar, auch diese Maßnahme würde Kevin nicht beeindrucken. Und eine Maßnahme zu verhängen, die nicht wirkt, sei pädagogisch ungünstig.

Vor allem mit dem letzten Argument kann er die Kollegen überzeugen. Und man muss sagen, dass er objektiv Recht hat. Die Maßnahme würde Kevin wirklich nicht beeindrucken. Trotzdem ist die Entscheidung juristisch falsch, wie man gleich sehen wird: Wie nicht anders zu erwarten, begehrt Kevin kurze Zeit später den nächsten Verstoß, der so schwer ist, dass Sielje sich entschließt, eine Klassenkonferenz einzuberufen und eine Ordnungsmaßnahme zu beantragen.

Dort kann er sich durchsetzen, einen zweiwöchigen Schulausschluss zu beantragen, denn die Kollegen folgen seiner Einschätzung, dass mit diesem letzten Verstoß das Fass voll ist. Die Maßnahme wird verhängt und alle – außer Kevin – sind zufrieden.

Einige Tage später kommt jedoch der Widerspruch von Kevins Anwalt, der die Maßnahme anficht. Und die vorgesetzte Schulbehörde gibt dem Widerspruch statt und „kippt“ die Maßnahme. Dies bestätigt Sielje und seine Kollegen in der Annnahme, die Schulbehörde falle den Lehrern immer in den Rücken.

Nun die Auflösung: Auch ein unabhängiges Verwaltungsgericht könnte gar nicht anders, als die Maßnahme zu verwerfen. Sielje hat nämlich in seinen pädagogischen Reflexionen etwas übersehen: Er hat die milderen Maßnahmen nicht ergriffen, weil er deren Unwirksamkeit vermutete. Kevin und sein Anwalt werden aber wie folgt argumentieren: Hätte die Schule die milderen Maßnahmen ergriffen, so hätte zumindest die Möglichkeit bestanden, dass Kevin sein Verhalten ändert. Und die Schule hat sich leider selbst die Möglichkeit genommen, das Gegenteil zu beweisen.

Besser wäre der andere Weg gewesen: Man verhängt zunächst eine milde Erziehungsmaßnahme, dann eine etwas stärkere, wohl wissend, dass beide Kevin nicht beeindrucken werden. Dass die Maßnahmen nicht wirken, sollte Sielje und die Kollegen dabei nicht betrüben, denn nun hat die Schule die Legitimation, die schwerere Ordnungsmaßnahme zu verhängen.

 

10. Lärm bei Prüfungen berücksichtigen!

Anna Nass ist als Aufsicht bei einer Abschlussarbeit eingesetzt, die leider zu einer Zeit geschrieben wird, als in der Schule größere Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Davon abgesehen, ist es ein schöner Sommertag. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und der Hausmeister beschließt, heute den Rasen auf dem Schulgrundstück zu mähen. Das tut er just unter dem Fenster des Raumes, in dem die Kandidaten unter der Aufsicht von Anna Nass ihre vierstündige Klausur (200 Minuten) schreiben. Man muss objektiv sagen, dass der Lärm beträchtlich ist. Aber die Schüler sagen noch nichts dazu und das Ganze dauert auch nur 6 Minuten.

Danach ist es erst einmal wieder ruhig und die Schüler arbeiten konzentriert. Allerdings nur so lange, bis das Geräusch eines Presslufthammers die Luft vibrieren lässt. Nun werden die Schüler rebellisch und fordern, man möge den Lärm abstellen. Aber was soll die Kollegin machen? Da der Lärm nicht aufhört, schickt sie einen Schüler zur Schulleitung, die dann dafür sorgt, dass nicht weiter gepresslufthämmert wird. Bis zu diesem Zeitpunkt sind jedoch 7 Minuten vergangen, in denen immer wieder großer Lärm die Konzentration fast unmöglich macht. Auf den Wunsch der Schüler, länger schreiben zu dürfen, geht Anna Nass nicht ein. Und deshalb kommt es so, wie es kommen muss. Einige Schüler fordern, die Arbeit nicht zu werten oder aufzuwerten, da ihnen 13 Minuten der vorgeschriebenen Zeit gefehlt hätten.

Das BVerwG hat als Richtlinie festgelegt: Bagatellstörungen (weniger als 1%, also unter 2 Minuten) müssen von der Aufsicht nicht ausgeglichen werden.

Damit Lärmstörungen aber ausgeglichen werden können, müssen sie von den Schülern gerügt werden. Werden sie ohne Protest akzeptiert, kann man unterstellen, dass die Beeinträchtigung nicht erheblich ist. Das hingenommene Rasenmähen muss also nicht (aber es kann) ausgeglichen werden, wohl aber die gerügte Lärmstörung durch den Presslufthammer. Ausgeglichen werden muss im Verhältnis 1:1, das heißt: für eine Minute Lärme also eine Minute Nachschreibzeit. Da dies nicht geschehen ist, liegt ein gravierender formaler Mangel vor und die Schüler haben Anspruch auf eine neue störungsfreie Abschlussarbeit.