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Fachfremder Unterricht

 

Sind Sie dazu verpflichtet, fachfremden Unterricht zu erteilen?

 

Beispiel:

Ein Kollege A. unterrichtet freiwillig - aber ohne Fakultas - Niederländisch in der Sekundarstufe I. Er tut dies, weil er Freude an der Sprache hat und sie auf alltagstauglichem Niveau beherrscht, was durch Teilnahmebescheinigungen an verschiedenen Niederländischkursen außerhalb der Schule attestiert wurde.

Ein weiterer Kollege B.  besitzt die Fakultas für Niederländisch und unterrichtet das Fach in der Sekundarstufe I und II.

Kollege A. erkrankt für längere Zeit und die Schulleitung tritt an Kollegen A. mit der Bitte heran, den Niederländischkurs des Kollegen B. kurzzeitig bis zu dessen Rückkehr zu übernehmen.  Dieser Bitte entspricht Kollege A. zunächst.

Schon bald stellt sich allerdings heraus, dass

a)     Kollege A. den Niederländischkurs bis zum Abitur führen muss, weil Kollege B. den Dienst nicht rechtzeitig wieder antreten wird.

b)     Sich Kollege A. mit dem zu unterrichtenden Sprachniveau auf Kursebene und somit auch den Unterrichtsvorbereitungen überfordert fühlt.

 

Kollege A. möchte der Schulleitung jetzt mitteilen, dass er Niederländisch unter diesen Voraussetzungen nicht mehr in der Sek II unterrichten möchte.

Ihn quälen jedoch folgende Bedenken:

1)     Hat er überhaupt das Recht, der Anweisung, fachfremden Unterricht zu erteilen, zu widersprechen?

2)     Wenn er jetzt den fachfremden Niederländischunterricht ablehnt, besteht die Möglichkeit, dass der Niederländischkurs aufgelöst werden muss und das Fach in Zukunft vom Lehrplan der Schule gestrichen wird.

 

Was soll Kollege A. tun?

 

Die Antwort ist wie fast immer in Personalratsfragen nicht ganz einfach, weil eine allgemeine Regel auf einen Einzelfall angewendet werden muss und das Problem sowohl eine rechtliche wie eine moralische Seite hat.

 

Die rechtliche Seite:

 

Im Niedersächsisches Schulgesetz § 51
über dienstliche Sonderregelungen steht, dass „...die Lehrkräfte Unterricht in anderen Fächern und Schulformen zu erteilen
[haben], wenn es ihnen nach Vorbildung oder bisheriger Tätigkeit zugemutet werden kann und für den geordneten Betrieb der Schule erforderlich ist. Vor der Entscheidung sind sie zu hören."

 

Die Schulleitung hat also durchaus das Recht, Kollegen A. anzuweisen, den Niederländischkurs des Kollegen B. zu übernehmen.

Voraussetzung sind jedoch die Überprüfung der Befähigung durch Vorbildung und die Zumutbarkeit. Und natürlich muss der Kollege gehört werden.

Da Kollege A. bereits seit mehreren Jahren Niederländisch ohne Probleme und offenbar mit Erfolg in der Sek I unterrichtet hatte, war die Annahme der Schulleitung, er könne dies wohl auch in der Sek II fortsetzen, nicht abwegig.

Der Kollege willigte ja auch ein und bestätigte diesen Eindruck.

Wenn jetzt der Kollege nach einer gewissen Probezeit zu der Auffassung gelangt, dass er den fachlichen Anforderungen doch nicht genügt, ändert sich die Situation.  Da die Schulleitung des Niederländischen nicht mächtig ist, muss sie sich auf die Selbsteinschätzung des Kollegen A. verlassen; sie hat dies bisher zu ihrem Vorteil ja auch getan.

Die absolvierten Kurse sagen nichts über die Unterrichtsbefähigung aus. Sie unterstützten nur die Selbsteinschätzung des Kollegen.

Fazit: die Schulleitung kann den Kollegen nicht zum Erteilen des fachfremden Unterrichts zwingen.

 

Die moralische Seite:

Die unangenehmen Konsequenzen für die Schüler und die Schule müssen den Kollegen nicht weiter belasten. Auch wenn er seine Fähigkeiten richtig eingeschätzt und sofort abgelehnt hätte, wären sie eingetreten.