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Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmenkonferenzen
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THEMA: Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmenkonferenzen

Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmenkonferenzen 1 Woche, 3 Tage her #2594

  • chriro
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Sehr geehrter Herr Dr. Hoegg,

ich bin an einer Gesamtschule in Niedersachsen tätig und wir haben ca. 40 Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmenkonferenzen im Jahr. Die Schulleitung hat einen Leitfaden aufgestellt, der für uns verpflichtend ist. Es müssen alle Punkte abgearbeitet werden, erst dann darf eine Klassenkonferenz einberufen werden. Ist dies überhaupt so zulässig? Der Leitfaden unserer Schulleitung sieht wie folgt aus:

Leitfaden zu Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmenkonferenzen
Welche Konferenz wann (und mit welchem Vorlauf)??!!

Im Schulalltag stellt sich immer wieder die Frage nach Sinn, Notwendigkeit bzw. Rechtmäßigkeit einer Erziehungsmaßnahmenkonferenz oder einer Ordnungsmaßnahmenkonferenz, wenn SuS sich nicht an Regeln der Gemeinschaft halten. Besonders für junge Kolleg/innen ist es zu Beginn der beruflichen Laufbahn nicht immer ganz einfach einzuschätzen, welche Schritte wann zu tun sind.
Dafür soll dieser Leitfaden eine Hilfestellung bieten.
Zunächst wird ein chronologischer Weg beschrieben, der zu einer Ordnungsmaßnahmenkonferenz führen kann (dauerhafte Regelverletzungen). Im zweiten Abschnitt werden Gründe genannt, die zu einer sofortigen Einberufung einer Ordnungsmaßnahmenkonferenz führen können, ohne dass die vorherigen Schritte gegangen worden sind (schwerwiegende Regelverletzung).

I.
1) Als einzelne Lehrkraft stellen Sie fest, dass ein/e bestimmte/r Schüler/in sich nicht an Schulregeln hält. > Sie führen ein Gespräch mit dem Schüler/ der Schülerin, dieser zeigt im besten Fall Einsicht, es tritt kein Wiederholungsfall ein.
2) Ein/e Schüler/in hält sich oft bzw. ständig nicht an Schulregeln (stört den Unterricht nachhaltig/ zeigt auffälliges Pausenverhalten/ ist oft in Konflikte verwickelt). > Sie führen ein Gespräch mit dem Schüler/ der Schülerin, setzen die Eltern von den Vorfällen in Kenntnis und informieren das Klassenteam.
3) Gemeinsam mit dem Klassenteam verabreden Sie das weitere gemeinsame Vorgehen bzw. Konsequenzen, die weiteres Fehlverhalten nach sich zieht (z.B. Pausenverbot, Nacharbeiten von Unerledigtem/ etc.). Diese Erziehungsmittel können auch ohne Konferenzbeschluss angewendet werden, es bedarf jedoch der Absprache mit den Eltern (Elternkontakt ist unumgänglich) und den Kolleg/innen. Die Klassenlehrkraft ist ab diesem Zeitpunkt verantwortlich für die protokollarische Zusammenstellung von Vorkommnissen und ist durch die Fachlehrkräfte auf dem Laufenden zu halten.
4) Bei weiterem Fehlverhalten sind die Eltern durch die Klassenlehrkraft zu einem Gespräch einzuladen, bei dem mindestens die Klassenlehrkraft und die Fachlehrkräfte, bei denen es mehrfach zu Fehlverhalten gekommen ist, anwesend sein sollten. Gemeinsam sollte überlegt werden, wie dem Kind geholfen werden kann, sein Fehlverhalten zu minimieren. Dabei ist nicht der strafende, sondern der unterstützende Aspekt in den Mittelpunkt eines zielführenden Gespräches zu stellen.
Unter Umständen können Eltern einen Begründungszusammenhang liefern, der bisher noch gar nicht bekannt war (z.B. aktuell schwierige familiäre Situation).
5) Schulische und weitere Hilfsmaßnahmen sollten erörtert und angeboten werden (z.B. Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern/ BESE/ etc.).
6) Erst, wenn all diese o.g. Maßnahmen ins Leere gelaufen sein sollten und sich durch die dargestellten Bemühungen keine Verhaltensänderungen ergeben haben sollten, münden die weiteren schulischen Maßnahmen in eine Erziehungsmaßnahmenkonferenz (unter der Leitung der Klassenlehrkraft/ oder Jahrgangsleitung).
7) Sollte weiterhin keine Verbesserung eintreten und es erneut zu gravierenden Vorfällen/ Störungen / Gefährdungen der Gemeinschaft kommen, ist eine Ordnungsmaßnahmenkonferenz einzuberufen (unter Leitung der Schulleitung oder der Jahrgangsleitung/ mögliche Beschlüsse siehe Nds. Schulgesetz).
II.
Folgende Vorfälle können zur sofortigen Einberufung einer Ordnungsmaßnahmenkonferenz führen:
- Schwerer körperlicher Übergriff
- Verstoß gegen den Waffenerlass
- Drogenbesitz bzw. Drogenkonsum
- Diebstahl
- Massive Sachbeschädigung

Bei allen Disziplinproblemen reflektieren die betroffenen Lehrkräfte immer auch ihr eigenes Verhaltensrepertoire und holen kollegialen Rat für den Umgang mit besonderen Situationen ein, auch gern bei der Schulleitung.
Eine pädagogische Gesamteinschätzung aller Beteiligten ist hilfreich und in den meisten Fällen zielführend.
Bitte bedenken Sie bei Ihrem Vorgehen, dass ein/e Schüler/in nur in absolutem Ausnahmefall der Schule verwiesen werden kann und ein Verweis von der Schule somit für uns im Normalfall keine Option darstellt. Diese Entscheidung trifft im Übrigen nicht die Schule selbst sondern die Landesschulbehörde auf der Grundlage sehr akribisch geführter Protokolle zu allen Vorkommnissen, Maßnahmen und Konferenzbeschlüssen.
Vielen Dank für die Beachtung!


Der Leitfaden wurde von mir auch nocheinmal als Datei hinzugefügt.

Vielen Dank für Ihre Hilfe

Anhang Leitfaden zu Erziehungs.docx nicht gefunden

Aw: Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmenkonferenzen 1 Woche, 2 Tage her #2601

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Liebe(r) chriro,

da hat Ihre SL sich ja richtig viel Arbeit gemacht.
Ich sehe diese Handreichung nicht als dienstliche Anweisung, sondern als (durchaus sinnvollen) Vorschlag, wie man vorgehen sollte, um später möglichst wenig Probleme zu haben.
Die SL versucht hier zu verhindern, dass Maßnahmen später von der LSchB oder von den Gerichten aufgehoben werden.
Problematisch erscheinen mir die Vorstufen, die ergriffen werden sollen, bevor auch nur ein Erziehungsmittel angewandt werden soll.
Also erst Gespräch mit dem Schüler, Information der Eltern, Information des Klassenteams, "Beschluss" des Klassenteams, bevor ich als Lehrkraft ein Erziehungsmittel verhängen darf?
Die Wiederholung einer nachlässig angefertigten Arbeit, zusätzliche häusliche Übungsaufgaben, mündlicher Tadel, Wiedergutmachung eines angereichteten Schadens oder die Verweisung aus dem Unterrichtsraum (Galas u.a.: Kommentar zum Nds. SchG, § 61 Rdnr.2) das alles soll erst nach diesen Schritten möglich sein??? Das heißt, eine Lehrkraft kann einen störenden Schüler nicht aus dem Raum schicken, bevor nicht diese Schritte durchlaufen sind?
Das ist nicht möglich. Deshalb stufe ich diese Handreichung ja auch als Vorschlag ein, dem man schon grundsätzlich folgen sollte. Man kann aber auch davon abweichen.
Fragen Sie Ihren SL doch einmal bitte, wie das mit der Verweisung aus dem Klassenraum laufen soll.
Und wenn er Ihnen sagt, das sei sowieso nicht zulässig, dann verweisen Sie ihn auf die von mir zitierte Stelle im Kommentar, wo dieser Schritt ausdrücklich aufgeführt wird.

Mit den besten Grüßen,

Ihr Dr. Hoegg
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