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Mehrarbeit? Einige Gedanken zur geplanten Erhöhung des Stundendeputats von Gymnasiallehrern

 

Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt hatte auf einer Klausurtagung über den Haushalt 2014 eine Erhöhung des Stundendeputats für Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Stunden für „zumutbar und vertretbar“ gehalten. Fraglich ist jedoch, wem hier eigentlich was zugemutet wird und wer dies gegebenenfalls zu vertreten hat.

Wonach bemisst sich die Lehrerarbeitszeit?

Die Arbeitszeit der Lehrer in Niedersachsen bemisst sich zunächst nach § 2 der Nds.ArbZVO in Verbindung mit § 3 der Nds.ArbZVO-Schule.

Grundsätzlich gilt also auch für Lehrer eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Durch die langen Schulferien (im Vergleich zum gesetzlichen Urlaubsanspruch) ist diese jedoch anders zu verteilen, so dass sich daraus ein Durchschnittswert von rund 46 Stunden pro Schulwoche ergibt.

Da sich die Lehrerarbeitszeit, wie das Bundesverwaltungsgericht festgestellt hat, nicht exakt messen, sondern nur grob pauschal schätzen lässt, wurde im Wege der Nds.ArbZVO-Schule auch für Gymnasiallehrer eine solche pauschalierende Schätzung vorgenommen. Diese sieht aktuell 23,5 Unterrichtsstunden pro Woche vor. Die übrige Arbeitszeit besteht aus den daneben anfallenden Aufgaben wie Unterrichtsvor- und Nachbereitung, Korrekturen, Teilnahme an Konferenzen und anderen Schulveranstaltungen, Elterngespräche etc. Alle typischen Tätigkeiten einer Lehrkraft sind in dieser Pauschale enthalten.

 

Was genau umfasst die Erhöhung?

Um es ganz klar zu sagen: Das Kultusministerium hat ja nicht die Arbeitszeit der Lehrkräfte erhöht, sondern – und das ist etwas anderes – nur die Unterrichtsverpflichtung. Da die Arbeitszeit nicht heraufgesetzt wurde, handelt es sich lediglich um eine Umverteilung innerhalb der Gesamtarbeitszeit. Eine Erhöhung der Gesamtarbeitszeit ausschließlich von Gymnasiallehrern wäre nur schwer mit dem Gleichheitsgrundsatz des Grundgesetzes in Einklang zu bringen.

Auch könnte eine Erhöhung der Arbeitszeit mit der Fürsorgepflicht der Ministerin als oberste Dienstherrin kollidieren, da wissenschaftliche Untersuchungen zur Lehrerarbeitszeit (z.B. Mummert und Partner 1999, oder SZ 17.05.2010 darauf hinweisen, dass die tatsächliche Arbeitszeit deutlich über denen anderer Beamter liegt. Dies legt auch die hohe Zahl an Burnout-Erkrankungen nahe (dradio 17.02.2009).

Da wir von einer verfassungstreuen und fürsorglichen Ministerin ausgehen, kann also nur eine Umverteilung gemeint sein.

 

Welche Konsequenzen hat eine solche Umverteilung?

Der Beamte hat darauf zu achten, seine Arbeit so zu organisieren, dass er sowohl seinen dienstlichen Verpflichtungen nachkommt, aber auch seine Gesundheit erhält, d.h. er darf nicht unter Gefährdung seiner Gesundheit z.B. nächtelang korrigieren. Bleibt die Frage offen, wo Lehrkräfte einen Gestaltungsspielraum haben. Da die Unterrichtszeiten, Pausenaufsichten, Konferenzteilnahmen, Elterngespräche usw. nicht durch den Beamten selbständig abzukürzen sind, hat er in diesen Bereichen keine Möglichkeiten. Einsparungen können folglich nur bei Korrekturen und Unterrichtsvor- und Nachbereitung liegen. Bei den Korrekturen lässt sich vermutlich kaum Zeit einsparen, da man schlecht nach der Hälfte aufhören kann. Allerdings könnte man oberflächlicher korrigieren, was wahrscheinlich bessere Noten hervorbringen würde. Das größte Einsparpotential bleibt aber die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts. Erhöht man also die Deputatsstunden einer Lehrkraft, so muss diese, um ihren Beamtenpflichten weiterhin gerecht zu werden, weniger vor- bzw. nachbereiten.

Die Deputatserhöhung könnte demnach zu weniger gut vorbereitetem Unterricht führen, was die Unterrichtsqualität vermutlich senken würde.

Die Erhöhung sorgt (durch die eingesparten Neueinstellungen) für ein höheres Durchschnittsalter im Kollegium, was entsprechend höhere Ausfallzeiten wegen Krankheit bedingt.

Hat die Ministerin, als sie die Begriffe „zumutbar und vertretbar“ verwendete, an eine Verschlechterung der Unterrichtsqualität und eine höhere altersbedingte Fehlquote an den Niedersächsischen Gymnasien gedacht? Oder hat sie nur isoliert die Unterrichtsstunden gesehen und die Folgen nicht bedacht?

 

Das Missverständnis

Warum demonstrieren dann die Lehrer und ihre Verbände gegen eine Arbeitszeiterhöhung, die ja eigentlich nur eine Umverteilung ist? Es ist ja gerade unter den Pädagogen immer noch eine weitverbreitete Ansicht, dass man als Lehrer den Auftrag hat, dem Schüler, dem Fach oder dem Humboldtschen Bildungsideal zu genügen. Vielen fällt es schwer zu verstehen, dass Lehrkräfte immer mehr zu Beamten werden, die Verwaltungsaufgaben zu erfüllen haben. Nun muss, damit die Landeskasse entlastet wird, eben der Unterricht schlechter werden. Wo ist das Problem?

Ich finde, die Lehrkräfte sollten sich einfach in ihre Beamtenrolle fügen. Das erleichtert das Leben und verhindert Magengeschwüre. Denn die langfristige Auswirkung dieser Erhöhung ist für Gymnasialschüler viel gravierender. Die (bzw. ihre Eltern) sollten mal auf die Straße gehen.

 

Alexander Suchanka